iPerú! - dentro del corazón

19Jan2014

Nach langer Fastenzeit gibt es nun auch mal wieder einen Bericht von mir aus Ricardo Palma. Seit dem 30. November gibt es natürlich schon einiges zu berichten...

Zuerst einmal erlebte ich am 3. Dezember ein, nach so langer Zeit total ungewohntes Wetterphanömen: Es regnete.

Dass dieser, damals für uns sensationelle Vorfall mehr und mehr zur Gewohnheit wird, liegt einfach am chosicanischen Sommer, trotzdem war es anfangs mal eine erfreuliche Abwechslung zum sich langsam einschleichenden Alltagsgefühl. Dieses wurde auch durch den dritten Besuch im Zoo von Huachipa innerhalb von 2 Monaten nicht gebessert...

Der Dezember war dann sicherlich der bisher arbeitsintensivste Monat. Zum normalen Hogarleben kamen noch vielerlei Sonderaufträge hinzu.... Normaler Hogaralltag, wie sieht der eigentlich aus?

Die Arbeit in der Hogar ist theoretisch sehr klar geregelt. Für alles gibt es einen Arbeitsplan und größtenteils wird auch darauf geachtet, dass jeder seine Arbeitszeiten einhält. Wir Voluntäre befinden uns da allerdings in einer Art luftleerem Raum, da a) fast keiner unseren Arbeitsplan geschweige denn die Arbeitszeiten kennt, wir b) sowieso überall mit eingebunden sind und c) auch noch auf dem Gelände wohnen.

So kommt unser offizieller Arbeitsplan eigentlich nicht zum Zuge und wir haben uns unseren eigenen Plan erschlossen. Für mich sieht der folgendermaßen aus: Montags bis Freitags aufstehen um 7.oo bis 7.30, Dienstags und Donnerstags Frühstück verteilen. Am Montag und Mittwoch vormittag geht es jeweils mit Julio, dem Kleinsten, und der netten Patientin Cristina zur Therapie nach Chosica. Montags und Donnerstags ist heilige Messe, und da ich den Küsterdienst der Kapelle übernommen habe, gilt es dort noch vor der Therapie alles hergerichtet zu haben. Gegen 12h gibt es Almuerzo/Mittagessen. Dafür müssen alle Patienten zum Comedor/Essenssaal gebracht und das Essen verteilt werden. Nebenher habe ich noch 3mal die Woche Dienst an der Portería: Damit die Pförtner ihre Mittagspause von 12h-13h auch einhalten können, setzt man sich eine Stunde in ihr kleines Räumchen, kontrolliert den Ein- und Ausgang und trägt alles in eine Excel-Tabelle ein. Oder man langweilt sich eine Stunde lang, weil um die Zeit eh keiner kommt noch geht. Der Nachmittag ist eigentlich immer anders. Entweder man kümmert sich um die Kinder, hilft in der Apotheke oder im Basar. Es gibt Arbeit in Küche und Wäscherei und die vielen einsamen Patienten sind auch immer froh, wenn man ein offenes Ohr und Zeit für sie hat. Das tollste ist einfach immer, wenn man den Menschen ein riesiges Lächeln ins Gesicht zaubern kann durch kleine Aufmerksamkeiten oder einen Zeitvertreib, wie in der letzten Woche beispielsweise das Dosenwerfen. Man merkt einfach, dass es einen Sinn gibt, hier zu sein.

Zu Fünft nach Chosica...

Nachdem sich dieser Alltag ein paar Monate eingespielt hatte, war ich im Dezember froh um jede Abwechslung. Und da sich meine Fußballbegeisterung schon im Ort und der Kongegration rumgesprochen hatte, wurde ich mal wieder zu einem Turnier eingeladen. Am 6.12.13 habe ich dann mein persönliches Fußballmärchen erleben dürfen. Ein unglaubliches Turnier, dass wir mit stetiger 2-Mann-Unterzahl, viel Leidenschaft und unter Einsatz letzter Kraftreserven im Elfmeterschießen gewinnen konnten. Da es der erste Titel für die Misioneros seit 12 Jahren war und durch die Art, wie ich dazu beitragen durfte, ihn zu gewinnen, erlangte ich scheinbar gleich noch größere Bekanntheit, so dass auf der Priesterweihe in Lima in der darauf folgenden Woche mich schon jeder zu kennen schien.

Zu der Weihe von Padre Franklin wurden Lea und Ich gemeinsam mit vielen anderen Arbeitern der Hogar eingeladen, es war ein nettes Fest und wie immer sehr interessant, peruanische Bräuche kennen zu lernen.

Die Adventszeit war schon längst angebrochen, aber auf eine, für Peruaner scheinbar unerklärliche Weise, wollte ich einfach nicht in Weihnachststimmung kommen. Es mag vielleicht an den Plastiktannenbäumen, den Jingle-Bells-trällernden und In-allen-Farben-des-Regenbogen-blinkenden Lichterketten, dem fehlenden Weihnachtsgebäck oder auch einfach der unerträglichen Hitze gelegen haben, auf jeden Fall schien Weihnachten für das Jahr 2013 wegzufallen. Die eigentlich freien Wochenenden wurden durchgearbeitet, es gab Bescherungen für die Kinder aus dem Ort und an einem Sonntag trat ich dann sogar restlos in den Streik, nachdem am Tage zuvor nach 13 Stunden Arbeit meinerseits beim Aufräumen der 200 Mann starken Weihnachstfeier nur noch die 2 Deutschen da standen. Doch ein paar Tage vor den Festtagen gab es dann ein erstes Paket aus Deutschland und das hiesige Krippenspiel (mit mir als Engel Gabriel und Lea als König Balthasar) mit anschließender Weihnachtsfeier gab wenigstens ein kleines Gefühl von zu Hause.

Über die Weihnachsttage kam Leas Freund zu Besuch. So feierten wir an Heiligabend gemeinsam, kochten etwas und hörten deutsches Liedgut... Die letzte Jahreswoche war ich dann erstmals so ganz für mich allein, da Lea und Sören gen Cusco aufbrachen. Die Arbeit ging aber normal weiter und so änderte sich nicht viel, außer dass ich meine Musik abends mal voll aufdrehen konnte...

Neues Jahr - neues Glück? Das ist die Frage in der Hogar, da viele zuvor vakante Stellen jetzt nach und nach wieder gefüllt werden. Mit Jorge Paucar gibt es endlich einen neuen Administrador; ein neuer Arzt, eine Therapeutin und ein Gärtner sind auch gefunden. Außerdem sind momentan einige Gäste aus Kanada präsent, unter anderem die Direktorin der Kongregation und eine sehr motivierte Freiwillige in den Mitt-Sechzigern, die sich vor allem mit Elan und Motivation einen Monat um die Kinder kümmern wird.

 

Einige Freiwillige werden das Gefühl am Anfang ihres FSJ's kennen: Nur mal einen Tag wieder in Deutschland sein, deutsch reden können und und und..

Als es nun soweit war, das fid-Zwischenseminar mit rund 30 anderen deutschen Freiwilligen aus Lateinamerika stand an, war meine Begeisterung gar nicht mehr so groß. Die Hogar und Peru sind schon längst zu einem zweiten zu Hause geworden und die Erfahrungen vom Vorbereitungsseminar waren auch nicht so berauschend. So kümmerte ich mich, schon ganz peruanisch, bis zum Sonntagmorgen gar nicht um das Ganze. Umso größer war der Schreck, als ich die e-Mail las, in der stand:

"fid-Zwischenseminar. Beginn: 11h Ort: Lima"

Joa.... Ok.        

Lima als Ortsangabe ist in etwa so, als würde man sagen, wir treffen uns in Griechenland, Portugal, Belgien. Alle drei Länder sind von der Einwohnerzahl vergleichbar.

Simon fährt also erstmal los, es waren ja schließlich schon kurz vor 9. Zwischendurch Mitfreiwillige angerufen, Seminarleiter, fid-Hotline Deutschland... Keine Antwort. Was tun? Erstmal nen Kaffee besorgen, auf die Plaza Grau setzen und warten. um 10:55 kam dann endlich ein Rückruf, und zwar von meiner Mitfreiwilligen Lea. Mit der Adresse in der Hand, dann der nächste Schock: Barranco?? Das ist das andere Ende der Stadt!

Als ich dann endlich um 12:11 beim Seminar ankam hatte ich noch nichts verpasst. Noch nicht einmal die Vorstellungsrunde war gelaufen, von daher war der ganze Stress für die Katz'. Meine zuvor ablehnende Haltung dem Seminar gegenüber wich sehr schnell einem Anflug von Begeisterung, denn die Seminarteilnehmer waren alle super nett und hervorragende Gesprächspartner, da sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich. Tagsüber wurde gearbeitet, abends ging es mal an den Strand oder in eine Karaoke-Bar oder sonst wo hin...

Es war eine Woche die, trotz Seminar, etwas von Urlaub hatte. Am Sonntag wollte man gar nicht mehr weg und da Lea und Ich ja quasi um die Ecke wohnen im Vergleich zu denen, die aus Honduras, Guatemala und Bolivien angereist waren und wir uns in der chaotischen Pazifikmetropole auskennen, haben wir einfach noch einen Tag drangehangen und den anderen Lima gezeigt. Es war eine schöne Woche und zu einigen wird man bestimmt noch eine Zeit lang Kontakt halten, sich gegenseitig besuchen und vielleicht den ein oder anderen beim Rückkehrerseminar wiedersehen.

Jetzt kehrt so langsam wieder Alltag ein, aber das Seminar hat mir erst gezeigt, wie viel Spaß mir die Arbeit hier eigentlich macht. Die Hogar ist meine peruanische Familie, mit 49 Omas, 5 Opas und den ersten Söhnen und Töchtern. Ich bin froh hier zu sein, kann mittlerweile felsenfest von mir behaupten, angekommen zu sein. Die nächsten 2 Monate werde ich genießen und dann kommt schon mein deutscher Besuch und das Land wird endlich auch reisend erkundet. 

Wie immer: Es gibt noch viiiiel mehr, was ich erzählen könnte. Wenn Du also Fragen, Anregungen oder sonst was hast, einfach einen Kommentar hinterlassen! :)

An dieser Stelle auch noch mal ein großes DANKE an Euch alle, die ihr immer noch an mich denkt, den Blog hier lest, mir Weihnachts- und SIlvestergrüße schickt! Bis dahin

Euer Simón

Frohes Neues! :)

01Jan2014

https://www.youtube.com/watch?v=YqnJnreIRQY

Monat Drei/Ein Viertel

30Nov2013

Einen Monat warten meine Blogleser nun schon auf den nächsten Eintrag. Hier nun eine Zusammenfassung des Monats November.

 

Der Monat begann mit einem Ausflug in den "Parque Zoológico de Huachipa". Dieser Zoo liegt von Ricardo Palma aus ungefähr 35 Minuten Richtung Lima auf der Carretera Central. Dort sollte es mich also das erste Mal hin verschlagen, in begleitender Funktion bei dem Vorschul-Ausflug unseres kleinen José Carlos. Wie zu erwarten gab es in dem Zoo eine Ansammlung von Tieren zu betrachten. Hier eine kleine Auswahl...

 

Am 2.11. fuhr ich gemeinsam mit Lea und Bertrand, dem Mitfreiwilligen aus Kanada, nach Lima. Ich zeigte ihm die Altstadt und das historische Zentrum, wir besuchten diverse Ausstellungen und nachmittags trafen wir uns in Miraflores mit Lea, bummelten noch ein wenig durch das moderne Stadtzentrum und fuhren dann wieder zurück gen Chosica. 

Am darauffolgenden Dienstag folgte dann aber eine überraschende und traurige Nachricht: Einer der Patienten der Hogar verstarb am frühen Morgen im Alter von 67 Jahren an Prostatakrebs. Er war immer ein netter Gesprächspartner und seine Angewohnheiten und seine liebe Art vermissen wir alle.

Ein Resumen der restlichen Woche: Am selben Abend noch ging ich mal wieder Futbolito spielen, wie hier so schön gesagt wird. Im Anhang ein Kanadier, der in seinem bisherigen Leben scheinabar noch niemanden hat Fußball spielen sehen. Seine begeisternden Ovationen erheiterten die ganze Gruppe.

Am nächsten Tag stellte sich ein neuer Freiwilliger aus Mexiko vor, Manuel. Er erwies sich im Laufe der Zeit als sehr engagiert und war vor allem aufgrund seines jungen Alters und der Tatsache, dass er Spanisch beherrschte (was man von Bertrand leider wirklich nicht behaupten konnte), ein wertvoller Neuzugang für uns.

Am Freitag folgte ich einer Einladung der "Misioneros de los Santos Apostoles", bei einem Fußballturnier in Lima mitzuspielen. Es war eine Erfahrung wert, in einer südamerikanischen Großstadt auf einem riesigen Hinterhof auf Betonplatten, umringt von der Kulisse aus Müllbergen, kläffenden Straßenhunden und den typisch heruntergekommenen Häusern, mitzuspielen. Auch wenn wir uns nicht als die stärkste Mannschaft herausstellten, so werden wir bis zu meiner Abreise noch 3 weitere Turniere in ähnlichem Ambiente erleben dürfen.

Samstags feierten Lea und Ich gemeinsam mit einer peruanischen Mit-Fünfziger-Gesellschaft die Silberhochzeit unserer "Mama Elo". Sie arbeitet in der Apotheke des Hogar und ist eine der besten Gesprächspartnerinnen in Peru. Auch wenn sie mit ihren 1,50 wohl die bisher kleinste Peruanerin ist, die ich kenne, schreitete sie dennoch von allen betrachtet in ihrem silbernen Kleid in die Kapelle. Die Feier selbst war jedoch komplett anders als das, was man in Deutschland vielleicht unter einer Silberhochzeit versteht. Bei der Feier stehen alle Stühle an der Wand in einem riesigen Kreis und in der Mitte wird getanzt. Tische gibt es nicht, denn das Essen wird auf Papptellern von den Kellnern ausgegeben und den Rest des Abends sitzen eh nur die Uropas, Schwangeren und deutschen Freiwilligen auf den Stühlen. 

Sonntag, 10.11., hatte ich dann die Ehre die Firmpatenschaft über Erik, einen Patienten der Hogar, zu übernehmen. Ich selber wurde in seine Pläne leider erst unmittelbar vor der Messfeier eingeweiht, so dass ich eine Minute vor Beginn der Feierlichkeit in der Firmpatenbank Platz nahm. Die Messe unterschied sich dann nicht wesentlich von Firmungen in meiner Heimatgemeinde in Erftstadt-Erp, außer dass alle Firmlinge in weißen Gewändern erschienen und ein Pfarrer anstelle des verhinderten Bischofs die Zeremonie übernahm. Er bestellte beim Schlusssegen immerhin noch die Glückwünsche des Bischofs in seinem einzigartigen englischen Akzent und dann kam schon die große Fotosession, die von der Küsterin rapide unterbrochen wurde, als sie uns erstmal in der Kirche einschloss.

Diese Woche war eine der ereignisreichsten der bisherigen 3 Monate. Der November stellte sich im folgenden jedoch weiterhin als spektakulär heraus:

-So gelang es uns beispielsweise die 5000 Pakete aus Kanada, die ich bereits im vorletzten Blogeintrag erwähnt hatte, endlich in den dafür vorgesehenen Schuppen zu packen, wobei sich wieder einmal die Körpergröße der Deutschen als unverzichtbare Unterstützung erwieß.

-Außerdem durchlitt ich die Todesängste beim Friseurbesuch in der Hogar, als die Friseurin mich ohne Spiegel und somit unkontrolliert verunstalten konnte. Am Ende war ich aber doch ganz zufrieden.

-Am 25.11. war bei vielen der Schock groß, als ein schweres Erdbeben Peru heimsuchte. In Lima hatte es noch die ungefähre Stärke 6,0: mittelstark.  Das reichte immerhin noch aus, einen unvorstellbaren Lärm zu verursachen. Für 20 sec bebte das ganze Haus, Fensterscheiben klirrten, Flaschen fielen zu Boden. Für mich besonders erschreckend war die fehlende Wahrnehmung solcher Zwischenfälle in Deutschland, wo von dieser Art von Erdbeben, bei der es ebenso dutzende Verletzte gibt, Männer die tagelang in Bergminen eingeschlossen sind, Verkehrszusammenbrüche in einem ganzen Land usw überhaupt nicht berichtet wird. Meine Internetrecherche ergab, dass nur die, auf Lateinamerika spezialisierte Internetseite "latinapress" darüber berichtete. Erderschütterung dieser Stärke gibt es auf der Erde ungefähr 800-mal pro Jahr, da will man als Deutscher wohl denken: "Mag ja nicht so schlimm sein, wenn nichts berichtet wird". Aber für die Bevölkerung der betroffenen Regionen können solche Erdbeben Existenzen kosten. Erdbeben der "Stärkenordnung" Südost-Asien will ich mir da gar nicht erst vorstellen.

 

Der schöne Park Huachipa sollte mir in diesem Monat noch ein zweites Mal begegnen, diesmal als Teil eines Ausflugs mit den Kindern der Pädiatrie, Patient Diego und den beiden anderen Freiwilligen, Lea und Manuel: 

 

Der Monat November war auf keinen Fall langweilig und ein Blick auf die Jahresuhr verrät: Ein Viertel meines Auslandsjahres ist schon Geschichte.

Liebe Grüße und eine besinnliche Adventszeit,

Euer Simón

Señor de los Milagros

28Okt2013

http://www.youtube.com/watch?v=zlcp-Esi8lY

 

El Himno del Señor de los Milagros

Señor de los Milagros, a Tí venimos en procesión
tus fieles devotos, a implorar tu bendición.

Faro que guía, da a nuestras almas
la fe, esperanza, la caridad,
tu amor divino nos ilumine,
nos haga dignos de tu bondad.

Con paso firme de buen cristiano
hagamos grande nuestro Perú,
y unidos todos como una fuerza
te suplicamos nos des tu luz.

Señor de los Milagros, a Tí venimos en procesión
tus fieles devotos, a implorar tu bendición

 

Deutsch:

 Herr der Wunder, zu dir kommen wir als Prozession, deine treuen Anhänger, um deinen Segen zu erflehen. 

Leuchtturm der leitet, gib unseren Seelen Glaube, Hoffnung, Liebe. Deine göttliche Liebe erleuchte uns,machen uns würdig deiner Güte.

Mit dem festen Schritte des guten Christen, machen wir unser Peru groß. Und alle vereint, als eine Kraft, bitten wir Dich: Gib uns dein Licht.

 Herr der Wunder, zu dir kommen wir als Prozession, deine treuen Anhänger, um deinen Segen zu erflehen. 

Glaube, Geschichte, Genuss

27Okt2013

Ein Stückchen Heimat. Bei ersten Anflügen von Regentropfen dringen aus der Ferne Töne einer Blaskapelle in mein Zimmer, ich höre Wise Guys und genieße eine Tafel Milka-Schokolade. Und berichte aus Perú.

 

So sitze ich hier am Fenster, schreibe meinen Blog und betrachte den Berg an Kisten und Kartons, der, da mittlerweile annähernd systematisch gestapelt, bestimmt schon die 3m Marke geknackt hat. Das alles sind Spenden, die am Freitag Abend in einem großen Schiffscontainer abgeladen wurden. Der mit Abstand längste Arbeitstag bisher.

 

 

Obwohl meine Heimat weit, weit weg ist, so fühle ich mich doch angekommen. Die Hogar San Pedro, meine Zuflucht für dieses Jahr, ist schon längst auch ein "zu Hause" geworden. Im ruhigen Ricardo Palma kann man die durchaus erschöpfende Arbeit genießen, während im Garten die Kolibris, Geckos und Schildkröten vorbeirauschen. Nun ja, letztere rauschen eher weniger, aber das tut nichts zur Sache: Die neue Welt hat mich aufgenommen und ich habe sie angenommen.

So war es auch selbstverständlich, dass ich den neuen Voluntario herumführen konnte. Er heißt Bertrand, ist ungefähr Ende 50 und stammt aus dem französichsprachigen Montreál, Canada. Als Steuereintreiber und mehrfacher Familienvater, dessen Kinder schon aus dem Haus sind, nimmt er sich hier etwas Zeit für sich. Einen Monat wird er hier mit uns verbringen. Er arbeitet auch sehr engagiert, da er aber ziemliche Probleme mit dem Spanischen hat, arbeitete er bisher nur im Garten. Montags und Mittwochs hat er mit Lea und mir zusammen Unterricht. Dort ergeben sich immer wieder chaotische Gespräche, die dann zeitweise in vier Sprachen gleichzeitig ausgefochten werden, da die persönlichen Sprachbarrieren einen dazu verleiten, in eine andere Sprache überzuwechseln. Das ist auf jeden Fall sehr unterhaltsam und lindert meine Enttäuschung über den, zwar nett gestalteten und für Neueinsteiger sicher sehr gewinnbringenden, mich jedoch unterfordernden Kurs.

Unsere Profesora Lucía ist jedoch eine sehr nette Frau. Sie lebt mit ihrem Mann und den Söhnen unweit der Hogar und hat für jede Frage ein offenes Ohr. Auf meine Frage, was die Hauptstadt Lima denn "museumstechnisch" so zu bieten hätte, lud sie uns sofort zu einer gemeinsamen Exkursion ein:

Die diversen Museen und Kirchen besuchend, hatten wir viel Spaß, haben einige neue Eindrücke sammeln können und mein Gesamtbild der Metropole wurde weiter geschliffen. Mir gefällt die Stadt sehr. Natürlich muss man in vielen Stadtteilen ein Bewusstsein entwickeln, wo man sich gerade befindet, und dass es vielleicht nicht angebracht ist, alles mit einer Spiegelreflex abzulichten. Man wundert sich immer wieder, wie naiv so mancher Tourist durch so manchen Stadtteil rennt. Wenn man sich aber auf die Situation einlässt und einen Blick hinter die nächste Ecke wirft, findet man immer wieder etwas ganz neues, dass das zuvor gesehene in den Schatten stellt, seien es die, in den Nebel aufragenden Hochhäuser von Miraflores und San Isidro, die malerischen Gassen des Künstlerviertels Barranco oder die verdreckten Seitenstraßen im Stadtzentrum, in denen man alles kaufen kann. Und noch viel mehr. 

 

Montag, der 28.10 ist ein Grund zum Feiern. Für mich gleich dreimal: Mein lieber Papa feiert in Europa runden Geburtstag, ich meinen Namenstag und in Perú begeht man eines der größten Feste des Jahreskreises: Señor de los Milagros. Herr der Wunder.

Was hat es damit auf sich? Dieser Brauch geht zurück auf das Jahr 1655. Vier Jahre zuvor hatte man im limensischen Stadtteil Pachacamilla ein Fresko des gekreuzigten Christus freigelegt, das vermutlich ein angolesischer Sklave zur Zeit der Conquistadores dort gemalt hatte. Das Wunder, dass dieses Fresko die Jahre unter der Erde überlebt hat, wurde dann im Jahre 1655 sogar noch übertroffen, als bei einem schweren Erdbeben fast der ganze Stadtteil zu Schutt und Asche zerfiel. Wer überlebte? Der gekreuzigte Jesus. Nachdem er auch das schwere Erdbeben von 1687 überlebte und sich einige Geschichten von wundersamen Krankenheilungen rumgesprochen hatten, war der Brauch geboren.

Stichwort Erdbeben: Die sind hier scheinbar normaler als ein paar Tröpfchen Regen. Als ich letzte Woche mit Patientin Luisa die Tablettenschatullen für die Farmacía reinigen durfte, erzählte sie mir, dass die paar Erdbeben, die wir bisher erlebt hätten wirklich sehr sanft gewesen wären. Ich fand es jedenfalls extrem hinderlich, dass beim Suppe verteilen auf einmal der Boden gewackelt hat. ( Als es allerdings heute das erste Mal seit unserer Ankunft ein paar Tropfen regnete, haben die Patienten sofort eine Vielzahl von Reaktionen gezeigt. Das ging von beinahe manischen Reaktionen über depressive Jammertiraden bis zu der simplen Feststellung: "Oha, está lloviendo." Ich ließ mir aber sagen, dass das dann im Sommer häufiger auf mich zu kommen wird. )

 

Zurück zum Thema.

Es ziehen also in allen Gemeinden, aber vor allem in Lima, riesige Prozessionen mit dem Bildnis des Señor de los Milagros durch den Ort. Die zu tiefst gläubige Bevölkerung partizipiert in großer Zahl, und so schlängeln sich die Prozessionen von "seiner" Kirche, la Iglesia de las Nazarenas, die extra an der Fundstelle errichtet wurde und wo ich dem Fresko auch schon die Ehre erweisen konnte, zur Kathedrale Limas. Und umgekehrt. Den ganzen Oktober...

DIE Farbe des Monats ist somit violett. Es ist die Farbe der Büßergewänder der prozessierenden Gemeinde, viele öffentliche Gebäude sind mit lila-weißen Stoffen geschmückt und an jeder Ecke kann man bei fliegenden Händlern Rosenkränze, Miniaturbilder und Kerzen erwerben. In violett versteht sich.

 

Wie auch bei deutschen Bräuchen an Sankt Martin, Ostern oder Weihnachten gibt es ein typisches Gebäck, das so genannte Turrón de Doña Pepa. Anders als der spanische Turrón, der aus weißem Nougat besteht, ist der hiesige eine Konstruktion aus viel zu süßen Teigstangen, die im Jenga-Stil übereinander gestapelt und schließlich mit Trockenobst und Zuckerdrops belegt werden.

Muss man mal probiert haben. Definiert das Wort "süß" neu.

Peruanische Bräuche kennen zu lernen ist immer wieder ein Abenteuer und eine wohl unerschöpfliche Pfundgrube. Ich bleibe dran und werde weiter berichten. 

 

Zu guter letzt möchte ich Euch allen nicht vor enthalten, warum ihr eigentlich hier seid. Meine Bilder als Schneewittchen's Prinz... 

 

Liebe Grüße ins kalte Deutschland! Möge der Herr der Wunder mit Euch allen sein...

Euer Simón

Eingelebt

06Okt2013

Über einen Monat bin ich jetzt schon in Perú. Man hat sich eingewöhnt, in die Arbeitsprozesse konnte ich mich gut einfinden, Hobbys und erste Freundschaften begründet. Die Wochen seit dem letzten Blogeintrag (der scheinbar für einige eifrige Leser schon viele zu lange zurückliegt, was mich zwar sehr freut, aber mit Sicherheit einer Entschuldigung bedarf: Perdón!) waren somit für mich sehr erfahrungsreich, doch bieten sie nicht viel Stoff für einen Blogeintrag.

Hier also eine Zwischenbilanz nach (etwas mehr als) 1 Monat:

Arbeit und Leben in der Hogar:

Die Arbeit in der Hogar erweist sich als vielschichtig. Dieser Eindruck bestätigt sich zunächst schon durch den abwechslungsreichen Stundenplan, der zwar mittlerweile in peruanischer Manier nach Belieben verändert wird, aber einige feste Dienste gehören für mich schon zum Pflichtprogramm. So zum Beispiel um 8:20h unseren kleinen José Carlos zur Schule zu bringen. Er ist 6 Jahre alt und besucht die Primaria, vergleichbar mit der deutschen Grundschule. Dort bin ich für die Lehrerin auch der Ansprechpartner zu organisatorischen Dingen und muss somit auch "elterliche Pflichten" wahrnehmen:

Am 15.Oktober werden die Eltern der Klasse ein Theaterstück vorführen, welches dem Otto Normalteutonen wohl weniger unter dem Namen "Blancanieves y los 7 Enanitos" ein Begriff sein wird, sich mit den Hinweisen "Grimm", "Ebenholz", "Apfel" und "Spiegel" aber doch sehr schnell zu erkennen gibt, oder?   Ich darf jedenfalls die Rolle des Prinzen übernehmen, was dann wohl auch die 7 Zwerge in unserer Gruppe wirklich als ebendiese aussehen lassen wird.

Andere feste Bestandteile meiner alltäglichen Arbeit sind: Essen austeilen, Patienten aus dem Bett heben, Patienten in's Bett heben, Rollstuhlrennen veranstalten oder einfach mit den Patienten sprechen, ein offenes Ohr haben. Aber eine der wichtigsten Aufgaben ist, sie zu unterhalten. Das gelingt mir mit meiner Vorerfahrung bisweilen auch ganz gut. Meine ehemaligen Mitschüler können da wohl das ein oder andere Lied von singen...

Ich wage also zu behaupten, dass die Arbeit eine ständige Herausforderung darstellt, der ich mich jedoch gewachsen fühle. Die Balance zwischen Überbelastung und unausgelasteten Zuständen, die man beinahe schon als "Langeweile" bezeichnen könnte, gehen fließend ineinander über. Das kommt dann auch immer auf die Tagesform an.

 

Leben in der Wohngemeinschaft:

Vor dem Start in das Abenteuer Perú habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie sich das Leben mit meiner Mitfreiwilligen Lea gestalten wird. Meine Antwort ist kurz: gut!

Man versteht sich und man lacht viel. Vor allem in den ersten Wochen war es wichtig jemanden zu haben, mit dem man auch mal auf der Muttersprache lachen, lästern und lamentieren konnte. Man geht sich aber auch nicht auf die Nerven, Zeit für sich findet man leicht und unser Arbeitsplan sieht, außer dem Spanischunterricht, auch keine gemeinsamen Bereiche vor. 

Da bislang auch sämtliche Schlachten um Cornflakes oder Nutella (der mit Abstand wertvollste Besitz unserer Küche, kriegt man nur in ganz ausgewählten Läden in der Hauptstadt) ausblieben, stehe ich dem Unterfangen für den Rest des Jahres optimistisch gegenüber.

 

Freizeit:

Unter der Woche von 13.00-14.30 und ab 17.00h, offiziell. Was macht man in der Freizeit, wenn man niemanden im neuen Land kennt? Richtig, man schreibt mit seinen Freunden in der Heimat.

Diesen "Fehler" der ersten 2 Wochen habe ich mittlerweile in der Form abgestellt, dass ich mir Hobbys gesucht und erste Bekanntschaften geschlossen habe. Ich schreibe natürlich immer noch sehr gerne mit den Besten, aber den Nachmittag und Abend und dei Wochenenden lebe ich in Perú. 

So gehe ich Dienstags abends zum Fußball. Gespielt wird auf einem Futsal-Spielfeld und feinstem Kunstrasen, jede Woche treffen sich ca. 30 junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren um zu kicken. Dabei spielen immer 2 Mannschaften à 5+1 Spielern 10+10 Minuten gegeneinander, die Gewinnermannschaft "bleibt stehen", d.h. sie spielt in der nächsten Runde gegen eine neue Mannschaft als Titelverteidiger. Das Interessante ist, dass immer die gleiche Mannschaft gewinnt.

Nach anfänglichen Zweifeln, ob ich den südamerikanischen Tricksern gewachsen bin, stellte sich schnell heraus, dass ich mit meinen deutsche Tugenden mich doch sehr gut mit den technisch versierten, verspielten Peruanern mithalten kann. In Müller-Manier bin ich der, der die Tore macht, während die anderen noch beim Übersteiger sind, was mich sehr schnell in den Kreis der "ersten Mannschaft" hat aufsteigen lassen. Mit diesem Stempel lebt es sich gut in Ricardo Palma, denn die Jugendlichen, die einen vorher noch skeptisch beäugt haben, kennen einen jetzt mit Namen und Grüßen mich stets. Fußball nimmt hier einen großen Platz ein und ist immer ein guter Gesprächsstoff.

So passiert es auch immer häufiger, dass man in der nahen Stadt Chosica bekannte Gesichter trifft und langsam nicht mehr als exotischer Tourist wahrgenommen wird.

Beim Bingo-Spielen an der deutsch-peruanischen Schule im Nachbarort haben Lea und Ich auch einige PeruanerInnen gleichen Alters getroffen, die fließend deutsch sprechen und sich sehr für unser Land interessieren. Eine Freundschaft von der beide profitieren. Und da einige von Ihnen im nächsten Jahr wohl in Deutschland studieren werden, besteht sogar die Chance, dass man sich noch öfters über den Weg läuft.

 

Mir geht es also im Großen und Ganzen sehr gut. Was nicht heißt, dass ich Deutschland und Euch alle nicht vermisse, ich lerne bisher eher schätzen, was ich in Deutschland alles gegeben habe. Aber im hier und jetzt fühle ich mich wohl und es gibt noch viel zu lernen und zu erleben. Ich werde Euch weiterhin daran teilhaben lassen, aber bitte habt Verständnis dafür, dass ich nicht jeden Tag etwas schreibe. ;-) 

Ich bedanke mich auch für die vielen lieben Kommentare und Nachrichten! Keep it up! 

Mit besten Frühlingsgrüßen,

Simon

Arriba Alianza!

17Sept2013

Was ein Wochenende. Völlig geschafft falle ich ins Bett, es ist kurz nach Mitternacht.

Also zumindest in Deutschland. Bei uns in Perú schlägt die Uhr erst 17.00h. Was ist denn da los?

 

Freitag, 13.September: 

Ein ganz normaler Tag in der Hogar. Vormittags nach Chosica ins Hospital einen Patienten begleiten, nachmittags Kinder betreuen. Um 18h geht es dann aber los: Auf nach Lima! Nun gut, die Versuche per Telefon 2 Betten für das Wochenende zu finden waren alle erfolglos, wir wussten auch nicht, wie genau wir nach Miraflores kommen sollten, außerdem brauchten wir noch 5 Passfotos für den Antrag auf Verlängerung der Visa, aber wie singt Fergie so schön: "A little party never killed nobody"...

Nach der obligatorisch legendären Achterbahnfahrt durch Schlagloch und Gegenverkehr mit dem Kleinbus nach Chosica fanden wir recht schnell den von der Sekretärin beschriebenen Fotoshop. Nachdem wir dann im vollkommen unbesuchten Laden eine gute Stunde warten durften, bis die zwei Angestellten es geschafft hatten, unsere Passfotos auszudrucken, suchten wir uns sofort einen VAN, der auf direktem Weg nach Lima fuhr. Dort angekommen ging es mit dem Taxi nach Miraflores und dort fanden wir tatsächlich schon im zweiten Versuch eine Unterkunft. Die erste Hürde war also genommen, wir genehmigten uns im Burger King noch ein wenig "westliche Zivilisation" und wurden am nächsten Tag Zeugen einer einzigartigen Kultur...

 

Samstag, 14.September:

Morgens, 10h in Lima. Da stehen wir also und warten, ein Déjà vu ist es nicht, dafür ist es zu real... An der gleichen Straßenecke wie an unserem zweiten Tag im Land der unbegrenzten Pünktlichkeiten warten wir, und warten, und warten. Mario Mollo Cuadros ist ein außergewöhnlicher Peruaner.

Der "Manager" war unsere erste Bezugsperson in Perú. Der Mann in der Militäruniform, der unsere Odyssee zu Beginn unseres Jahres einem sicheren Hafen zu führte, später mit unterdrückten Freudentränen unsere Gastgeschenke entgegen nahm und einen Tag danach völlig unerwartet die Hogar verließ, half uns bisher in jeder erdenklichen Form, besorgte uns einen Internetzugang, sprach offenherzig über die Probleme in der Hogar und versprach uns sogar, dass er mit uns zur Mistura und zum Fußball gehen würde. 

Und nun steht man da. An gleicher Stelle und gleichem Ort, wieder einmal seit gefühlten 3 Stunden wartend. Kommt er? Oder kommt er nicht? Wie würde er sich verhalten? Will er wirklich mit uns diesen Ausflug machen oder geht es ihm nur darum, seine Pflicht zu erfüllen?

Mario ist ein Mann, der mehr "typisch deutsche" Eigenschaften besitzt, als die meisten Deutschen. Er ist ordentlich, direkt, korrekt, achtet auf Sauberkeit und Pünktlichkeit und ist stets darauf bedacht, dass auch jedem mitzuteilen. Ein Mann, der sein Wort hält. Keiner der eine Stunde zu spät und im Jogginganzug an einem Treffpunkt erscheint.

Das machte ihn dann aber noch sympathischer. Er wirkte entspannt und locker, freute sich uns zu sehen und erzählte munter drauf los: Dass er gegangen sei, da er mit der Arbeitsweise in der Hogar nicht klar gekommen wäre und jetzt einen neuen Job in Lima gefunden hätte, er mit seinem Bruder und dessen Kindern zusammenleben würde usw.

Um 12h kamen wir schließlich bei DER kulinarischen Messe Lateinamerikas an: Der"Mistura"!

 

Der ganze Strand an der "Costa Verde" war in ein riesiges Meer von Pavillons und Sonnenschirmen verwandelt, von überall her strömten die Menschen auf das Gelände, um all die Köstlichkeiten zu kosten, die die Küche Perus zu bieten hat. Angefangen bei "Chancho al Palo", "Pachamanca", "Arroz con Pollo" und "Cuy frito" über "Ceviche", "Humitas", allerlei Sorten Brot und Bier und schließlich noch nie gesehenen Früchten aus der "Selva" gab es eine breitgefächerte Speisekarte, die für jeden etwas zu bieten hatte. Das Bier unterscheidet sich nicht wesentlich vom deutschen, man kann es gut trinken, besser gefallen haben mir allerdings die aus Mais gewonnenen typisch peruanischen "Chicha" und "Chicha Morada". Auch die Bananenkreationen aus dem Urwald und sogar das "Cuy" hat gemundet. Wer Kaninchen isst, kann auch Meerschwein essen.

Ich kann Euch allen nur empfehlen: Geht mal zum Peruaner! 

 Im Anschluss an diese kulinarische Expedition ging es Richtung "Estadio", um die schönste Nebensache der Welt einmal im Ambiente der südamerikanischen Fußball-Besessenheit zu genießen. Die Simmung war klasse, beeindruckend gerade ob der nur geringen Auslastung des Stadions (den Eintritt kann sich einfach kaum jemand leisten). Im Stadion von Alianza Lima sahen wir einen lockeren Heimsieg von 3:0 gegen Unión Comercio, trafen den bekanntesten Fußballmoderator des Landes auf der Tribüne und durften zufrieden feststellen: So schönen Fußball wie bei uns in Deutschland, den gibt's momentan nirgendwo sonst! Auf jeden Fall nicht in Perú.

 

Nach einem langen, erlebnisreichen und anstrengendem Tag begleitete Mario uns noch zum Bus, lud uns ein ihn im Dezember nach Arequipa, seiner Heimatstadt, zu begleiten und sowieso ihn zu "cualquier cosa" (jeder Sache) sofort anzurufen. Er ist wirklich sehr hilfsbereit und es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir ihn gesehen haben.

 

Sonntag, 15.September: 

Endlich einen groben Plan über die unübersichtliche, chaotische und ausufernde Metropolregion Lima bekommend, machte sich die 2köpfige Reisegruppe, bestehend aus Lea und mir, am Sonntag auf, die "Touri-Plätze" erkunden. Mit dem Schnellbus in die historische Stadtmitte. Einkaufsstraße, Präsidentenpalast, Altstadt. Viel Gerenne, aber wenig wirklich Beeindruckendes. Lima ist eine verfallende Stadt, der alte Glanz ist nicht mehr sichtbar. Die großen Plätze sind noch ganz nett. Aber die restlichen Fassaden sind meist heruntergekommen, für einen Blick dahinter haben wir allerdings noch genug Zeit.

 

Abends dann der unerwartete Höhepunkt des Wochenendes. Im "Circuito Mágico del Agua" hatten wir unglaublich viel Spaß, erst beim völlig misslungenem Fotoshooting vor den tollen Wasserfontänen und Springbrunnen, dann bei der musikalischen Untermalung der Videoshow auf der Wasserfontäne und schließlich beim Ausruhen auf der Parkbank. Ja, es ist schon lustig, wenn man wie ein Promi gefragt wird: "Darf ich ein Foto mit Dir machen?" "Spielst Du nicht hier in einer Telenovela mit?" "Du bist doch Schauspieler, oder?" Als wir den Fotowünschen nachgekommen sind fragten wir uns schon, ob wir nicht schonmal Autogrammkarten drucken sollten. Das ist zwar sicher nicht notwendig, aber ich hätte vorher wirklich nicht gedacht, dass wir gerade in der Touristenstadt Lima so auffallen und von den Menschen teils skeptisch, aber meist mit Interesse beäugt werden.

 

Montag, 16.September:

Ein unspektakülarer, obschon nervenzehrender Aufenthalt in der deutschen Botschaft. Wir warten nun auf unsere Reisepässe und die bestätigten, ganzjährig gültigen Visa.

Finalmente: Zurück nach Ricardo Palma. Wir entschieden uns für die preisgünstigere Variante, mit dem überfüllten "Carro", dem Kleinbus. Für die 38km nach Chosica brauchte er knapp über 2 Stunden. Das war zwar wirklich sehr günstig, umgerechnet bezahlt man da 1€ pro Person, aber gab uns dann doch den Rest. Als wir dann, nach 3 langen Tagen und anstrengendem Reisen mit Gepäck um Mitternacht/17h nachmittags ankamen, hieß es nur noch eins: Gute Nacht, Faszination Perú!

 

Am Wochenende erreichte mich auch die Frage, wie denn mein Alltag genau aussieht. Diese werde ich im nächsten Eintrag gerne beantworten, also: Schaut mal wieder hier vorbei! Meldet Euch bei mir, wenn ihr wollt. Ich freue mich immer, etwas von Euch zu hören.

Bis demnächst, hasta la próxima

Euer Simon

Ja, er lebt noch! :)

13Sept2013

Aufgrund der gehäuften Nachfragen: Hier die ersten Bilder vom peruanischen Alltag! 

Una vida como un gigante

09Sept2013

Buenas tardes!

 

Aus dem konstant sonnigen Ricardo Palma liebe Grüße. Direkt zu Beginn: Mir geht es gut!

Da mein erster Blogeintrag zu ambivalenten Regungen im fernen Rheinland geführt zu haben scheint, ist es mir wichtig zu sagen: Todo está bién! 

 

Geschätzte 12 Tage bin ich nun hier und die Euphorie trägt weiterhin. Die Mitarbeiter und Patienten in der Hogar sind sehr freundlich und uns Voluntarios gegenüber absolut positiv eingestellt, was die Eingewöhnung stark vereinfacht hat. Der kulinarische Teil hat sich nach dem ersten Schock auch deutlich gebessert, Reis mit Hühnchen und Kartoffel kenne ich nun schon in unzähligen Variationen, aber man kann es gut essen und man wird auch satt. Arbeitstechnisch eröffnet sich mir ein immer breiteres Aufgabenfeld, das von alltäglichen Dingen wie z.B. die Niños zur Schule zu bringen, Wäsche aufhängen, Papas (Kartoffeln) schälen und dem Gespräch mit den Patienten bis zur Begleitung selbiger zu auswärtigen Rehabilitationszentren, dem Küsterdienst in der Kapelle oder auch dem Sortieren von Medikamenten in der Farmacía reicht.

Als Deutscher/Weißer/Europäer wird man sofort besonders betrachtet. Das ist mir zunächst gar nicht so aufgefallen, doch spätestens bei einem Ausflug in die nahe Stadt Chosica doch sehr deutlich geworden: Es war ein Sonntag und im ganzen Park, der den Mittelpunkt der Stadt darstellt und tatsächlich sehr akkurat hergerichtet ist, war das peruanische Volk, von Groß bis Klein, versammelt. Wir wussten nicht genau warum, irgendein Fest wird es wohl gewesen sein. Hier laufen eh alle 2 Tage die Blaskapellen durch die Straßen. :D  Als wir durch den Park gingen, blieben wir in der Nähe der Bühne stehen, auf welcher gerade ein Clown und seine Begleiterin für allgemeine Erheiterung sorgten. Nun, wie es der Zufall will, sah man mich anscheinend sehr gut von der Bühne aus, was vielleicht auch daran lag, das ich mit meinen 1,90m doch deutlich über den Durchschnittsperuaner herausrage und obendrein auch noch blond bin, und man winkte mir sofort zu, ich sollte doch auf die Bühne kommen. Das war dann aber sogar mir zu blöd. Denn wenn sich auf einmal ca. 200 Peruaner umdrehen und einen wie ein Zirkustier betrachten, da würde selbst die Heino-Brille nicht helfen. Ich winkte also in die Menge und die Menge winkte zurück.

 

Ein anderer, deutlich angenehmerer Fall: Während ich im örtlichen Reha-Zentrum auf eine meiner Lieblingspatientinnen, Señora Cristina, wartete, hörte man von der Straße her etwas, dass doch sehr an einen Karnevalszug erinnerte. Neugierig, wie ich bin, ging ich natürlich nachschauen und siehe da: Eine "Schülerolympiade" prozessierte über die Hauptstraße. Alle Schulklassen der nicht allzu kleinen Stadt Chosica zogen vorbei und jede trat für ein anderes Land an. Zunächst hatte ich beim Fahnen erraten Spaß, bei dem ich eine "Inca Kola" gegen einen peruanischen Wettpartner gewann, und als schließlich als vorletzte Nation Alemania/Deutschland vorbeizog, hielt es mich nicht mehr am Straßenrand: Ich lief zu den Kindern und stellte mich vor. Ich sei Deutscher und würde ihnen alles Gute wünschen. Der Jubel war riesig und mir wurde die Ehre zuteil: Ich durfte die deutsche Fahne freudestrahlend durch die Hauptstraße von Chosica tragen. :)

 

Wenn ich dann mal nicht gerade arbeite oder die deutsche Nation repräsentiere gibt es noch viele andere spannende Dinge zu erleben. Einen Tag habe ich beispielsweise damit verbracht die Route unserer beiden Hausschildkröten "Macho" und "Reina Sibille" zu verfolgen, die einem immer wieder über den Weg laufen. 

Der Tischkicker im Essensraum wurde auch schon entstaubt und momentan halte ich noch den Rekord der meisten Spiele in Folge ungeschlagen. Nun ja, die Auswahl an Gegnern beschränkt sich auf ein Minimum. 

5 Tage die Woche wird gearbeitet, das Wochenende ist in der Regel frei. Nächstes Wochende geht es wahrscheinlich nach Lima. Dort findet nämlich momentan die "Mistura", die Messe der peruanischen Gastronomiewirtschaft, statt. (http://mistura.pe/) Außerdem spielt am Samstag Alianza Lima, mein vorbestimmter Lieblingsclub der doch eher bescheiden agierenden peruanischen Fußballliga.

 

Vielen Dank für die vielen, lieben Kommentare und Nachrichten. Ich freue mich jedesmal, wenn sich jemand aus Deutschland meldet. :)  Wenn Ihr Fragen oder Anregungen zu meinen Blogeinträgen habt, sind diese natürlch auch herzlich willkommen.

 

Soweit so gut, ich lass nochmal von mir hören. Bilder folgen auch bald!

Saludos! :)

Poco a poco...

31Aug2013

Saludos cordiales del Perú!

Endlich angekommen. Nach 34h Anreise hat es mich nun in die staubigen Hügelketten vor Lima verschlagen. 

Nachdem die Flüge problemlos abgelaufen sind und wir erschöpft und müde am Aeropuerto Internacional Jorge Chávez in Lima angekommen waren, freuten wir uns darüber abgeholt zu werden und unsere Zimmer beziehen zu können. So der Plan.

Aber die ersten Hindernisse eröffnet sich schon in der Empfangshalle. Es war einfach niemand da.

Nach vielfachen Telefonatsversuchen, die teils an falschen Telefonnummern, teils an der Zeitverschiebung nach Deutschland scheiterten, fuhren wir in der fremden Metropole Lima mit einem Taxi Richtung Miraflores, um erstmal ein Bett in einem Hostel zu finden. Das erste Aha-Erlebniss hatten wir sogleich im peruanischen Straßenverkehr, den es einfach mal zu (üb-)erleben gilt.

Die Begegnung mit den Peruanern ist bis jetzt immer sehr erfreulich verlaufen, sie sind hilfsbereit und nett und freuen sich, wenn man sich mit ihnen auf Spanisch, oder wie es hier heißt, "Castellano", unterhalten kann. So fand sich dann auch im 17ten Anlauf ein bezugfertiges 8-Mann Zimmer, indem unsere Ansage von nur einer Übernachtung im Hostels angesichts unserer 60kg Gepäck pro Person wenigstens zur allgemeinen Unterhaltung beitragen konnte.

Am nächsten Tag wurden wir dann in peruanischer Manier mit dezenter Verspätung abgeholt, waren letztendlich aber nur erleichtert, einen Ansprechpartner und einen klapprigen Jeep samt Fahrer gefunden zu haben.

Schließlich wurde uns erklärt: In der Hogar lag die Annahme vor, wir würden erst am Montag ankommen. Dementsprechend waren alle sehr überrascht, dass wir schon am Flughafen standen. Hinzu kam, dass gerade an diesem Wochenende das Fest der "Virgen Santa Rosa de Lima" gefeiert wird. D.h.,es war niemand in der Hogar von der Verwaltung und die Organisation des Abholdienstes war nicht so einfach zu bewerkstelligen. 

Jetzt sitze ich hier im Büro der Verwaltung und nutze deren WLAN, meins funktioniert nämlich leider (noch) nicht. Darüber ist aber hinwegzusehen. Ich habe schließlich schon schlimmeres überlebt, beispielsweise das Ausschließen aus dem eigenen Badezimmer für die ersten 2 Tage, die stinkige Fischsuppe, die wirklich nur mit Hängen und Würgen zu ertragen war oder den Mini-Ausflug mit unserem Begleiter Erik nach Chosica zum Einkaufen: Bei der Fahrt im Minibus, die auf jeden Fall sehr preisgünstig war, habe ich mir nämlich bei jeder Bodenwelle und jedem Schlagloch, von denen es außerhalb der Großstadt nämlich sehr viele gibt, abwechselnd Kopf, Rücken und Knie gestoßen. Sie sind für meine Größe anscheinend nicht ausgelegt.

 

Jetzt wird es Zeit sich einzuleben, die Weichen sind gestellt. Und das läuft, wie scheinbar alles in Perú, "poco a poco". Schritt für Schritt...

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.